Verabschiedung von Frau Lermann
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- Veröffentlicht am Freitag, 22. Juli 2011 08:59
- Geschrieben von Administrator

Liebe Gäste,
es freut mich sehr, dass Sie zur Schulfeier anlässlich meiner Verabschiedung in den Ruhestand gekommen sind, obwohl viele von Ihnen zum Schuljahresende noch mehr als sonst zu tun haben.
Der Eintritt in den Ruhestand ist ein tiefer Einschnitt im Leben, und natürlich kommen einem da Erinnerungen.
Als Schülerin, Studentin, Mutter und Lehrerin zusammengenommen überblicke ich 57 Jahre
Schulwesen in Baden-Württemberg. In dieser langen Zeit hat sich unglaublich viel verändert.
In Erinnerung geblieben sind aber nicht die verschiedenen Bildungsinhalte und Pläne, die Unterrichtsformen, didaktischen Theorien und politischen Vorgaben, nicht bis auf wenige Ausnahmen die äußeren Verhältnisse, sondern die Menschen, denen ich in dieser langen Zeit
begegnet bin.
Aus meiner Schulzeit sind mir viele Lehrer noch sehr gut in Erinnerung. Ich hatte Glück, es waren einige sehr ausgeprägte Persönlichkeiten darunter, viele haben von mir sehr viel verlangt, aber alle haben mich angespornt und mich auf meinem Weg unterstützt.
Lehrer können viel anrichten, im Guten wie im Bösen. Hermann Hesses „Unterm Rad“ müsste Pflichtlektüre sein. Schülern Gutes tun heißt nicht ihnen Schwierigkeiten und Anstrengungen zu ersparen. „Laissez faire“ ist das Gegenteil von verantwortlicher Erziehungs- und Bildungsarbeit.
In der Uhlandschule habe ich mit Kolleginnen und Kollegen zusammenarbeiten dürfen, die diese Aufgabe sehr ernst nehmen und weit über den eigentlichen Unterricht hinaus als Erzieher und Ratgeber für die Eltern und Schüler da sind.
Auch für meine Aufgabe als Schulleiterin hatte ich einen sehr guten Lehrer, Herrn Gögelein.
Seiner Auffassung nach ist Schulleitung ein Dienstleistungsbetrieb, der es allen an der Schule möglich machen soll gut zu arbeiten und gut miteinander auszukommen. Das bedeutete für mich vor allem für alle ansprechbar zu sein, Denkanstöße zu geben, Freiräume und Bedingungen zu schaffen, damit gute Ideen und Projekte umgesetzt werden konnten, und den Lehrern Rückhalt und Sicherheit zu geben, aber auch den Schülern und Eltern. Es bedeutete aber auch Schwachstellen und Probleme anzusprechen und Lösungsmöglichkeiten zu suchen. Das war nicht immer einfach und schon gar nicht bequem, aber alles laufen lassen ist kein verantwortliches Führungshandeln.
Ich hoffe sehr, dass ich meinen eigenen Ansprüchen und den Anforderungen dieses Schulleitungsamtes wenigstens teilweise gerecht werden konnte. Die Uhlandschule ist jedenfalls nicht mehr die Schule, die ich vor 17 Jahren übernommen habe, und die Anmeldezahlen zeigen, dass die Eltern die Arbeit, die hier vor allem natürlich von den Lehrkräften geleistet wird, schätzen.
Durch die lange Tätigkeit an einer sogenannten Brennpunktschule und durch die vielen Dinge, mit denen man sich als Schulleiterin beschäftigen muss, habe ich Einblick bekommen
in viele Lebensbereiche und Tätigkeitsfelder, die mir sonst nicht zugänglich gewesen wären.
Dadurch hat sich meine Sicht auf die Dinge, auf Notwendigkeiten und gesellschaftliche Probleme sehr geändert.
In vielen Dingen bin ich sehr viel toleranter geworden, in vielen aber auch radikaler und unduldsamer. Wenn ich sehe, wo mit sehr viel Geld Schwerpunkte gesetzt werden, wie aber andererseits Familien kämpfen müssen, damit sie über die Runden kommen, wenn ich mitbekomme, wie Menschen ihnen zustehende Rechte vorenthalten werden, nur weil sie nicht so geschickt, und selbstbewusst auftreten können wie andere, wenn ich sehe, wie durch die langsame Arbeitsweise in manchen Einrichtungen Kinder länger als notwendig unter miserablen Bedingungen leben müssen, bin ich immer weniger bereit das hinzunehmen.
Deshalb werde ich mich künftig in diesen Bereichen noch stärker engagieren als es mir bisher möglich war, denn als „Ruheständlerin“ kann ich die notwendige Energie und Zeit dafür aufbringen.
Als ich ein Zitat für die Einladung gesucht habe, habe ich nach längerer Zeit wieder Texte vom Namensgeber unserer Schule gelesen. Ludwig Uhland war nicht nur das, was man einen romantischen Dichter mit großer Heimatverbundenheit nennen könnte, er war ein engagierter Kämpfer für Bürgerrechte, und in seinen Schriften hätte ich so manches Zitat gefunden, das mit Blick auf die Art der Nachfolgeregelung gepasst hätte. Ich habe mich dann doch für ein positives, nach vorne gewandtes Zitat entschieden, und in diesem Sinne werde ich meinen Ruhestand antreten.
Jetzt bleibt mir nur, Ihnen allen zu danken für die vielen wertvollen und schönen Erlebnisse hier, für die gute Zusammenarbeit und Unterstützung, hier insbesondere Frau Wäckerle-Kuhn, und natürlich für das schöne Fest heute. Seien Sie herzlich eingeladen zu einem kleinen Umtrunk und Imbiss!













